Filmtipp: 5×2 von François Ozon, 2004
Die meisten Menschen, die mich umgeben, mussten sich schon einmal einen Lobgesang auf den Film anhören.
Hier nochmals schriftlich:
Ozon macht mit sehr wenig sehr viel; er nimmt das, was der Film an schönen Materialeigenschaften bietet (“Man kann ja in Raum und Zeit springen! Spielen wir doch ein bisschen mit der Chronologie!”) und komponiert mithilfe dieser das perfekte Stimmungsbild einer scheiternden Ehe. Einer gescheiterten Ehe: Denn der Film wird in fünf Sequenzen rückwärts erzählt, beginnend beim Scheidungsrichter; den Protagonisten werden ihre Rechte verlesen, ihre Gesichter sind steinern und müde, hier ist fertig lustig. Danach Hotel, Sex, unschön, Kindergarten-Sticheleien, “Wollen wirs nochmals probieren?”, Türe zu.
Die darauffolgenden vier Sequenzen zeigen je eine Stichprobe aus Gilles’ und Marions Eheleben, und in jeder suchen wir nach Indizien für das Scheitern – deuten die Zeichen auf ein bitteres Ende hin? Dieses will erkannt sein; der Zuschauer will Absolutheit, der Film gibt sie ihm nicht. Das Scheitern ist Zufall, dumm gelaufen. Gilles und Marion haben sich geliebt! Ozon will die Schönheit ihrer ersten Begegnung nicht verstecken, will die Innigkeit ihrer Liebe und des Begehrens füreinander aufzeigen. Die Vergänglichkeit als etwas willkürlich Eintretendes und Unberechenbares hat ihren Meisterauftritt. Gratuliere.
Form und Inhalt sind das harmonischste Paar des Films. Ihre Wechselbeziehung ist das Werk eines Genies. Ohne die Rückwärtserzählung käme die Geschichte nicht zu ihrem Punkt: Nein, du konntest es nicht wissen und du solltest es auch nicht wissen, denn es musste nicht so kommen.
Schauen.
